Ein süßer Welpe, einfach tierisch – da kann doch nichts passieren, schließlich stehen die kleinen Racker ja unter „Welpenschutz“. Der Gedanke an dieses Phänomen beruhigt Tierbesitzer und macht auch die ersten Ausflüge zur Hundewiese oder die Treffen mit Hundebesitzern schon ausgewachsener Hunde deutlich entspannter. Im Hinterkopf haben einige einfach diese Überzeugung: Einem Welpen tun andere Hunde einfach nichts, eben wegen dem natürlichen Welpenschutz. Doch wie viel Wahres steckt dahinter? Gibt es den Welpenschutz tatsächlich und wenn ja, ist er tatsächlich von Natur aus gegeben?

Welpenschutz im Detail

Zuerst vorweg: Du kannst beruhigt sein. Der Welpenschutz existiert und ist nicht bloß ein kompletter Mythos! Doch solltest du dir definitiv auch bewusst sein, dass der Welpenschutz an sich keine Garantie dafür ist, dass deinem kleinen Schützling absolut nichts passiert. Es gibt einige Ausnahmen und Einschränkungen in diesem Bereich und man merke: Jeder Hund hat seinen individuellen Charakter. Somit ist trotz der Gegebenheit von Welpenschutz nicht garantiert, dass ein erwachsener Hund einem kleineren absolut nichts Böses antut.

Was ist Welpenschutz nun genau? Es ist einfach erklärt: Dieser Schutzmechanismus ist Hunden grundsätzlich angeboren. Es ist in der Natur des Tieres verankert, die kleinen Artgenossen zu verschonen, mit dem Ziel, die eigene Rasse bzw. Existenz zu erhalten. Biologisch erklärt bedeutet dies, dass Hunde ihre Art schützen wollen. Wie du vielleicht schon rauslesen kannst, ist dies sehr auf die eigene Art betont und das nicht ohne Grund! Der Welpenschutz existiert hauptsächlich innerhalb des eigenen Rudels. Sobald fremde, außenstehende Hunde dazukommen, muss das Augenmerkmal deutlich erhöht werden, da man einfach bei fremden Hunden nie weiß, bis zu welchem Grad sie sozialisiert wurden. Dies darf man aber nicht falsch verstehen: Es bedeutet nicht, dass man beim Treffen mit anderen, ausgewachsenen Hunden sofort Angst haben muss, dass der Welpe als „Rudelfeind“ angesehen wird. Nein! Der Welpe genießt bei normal sozialisierten, gut erzogenen Hunden in den ersten Lebenswochen eine Art „Narrenfreiheit“.

Welpe

Welpe

Wenn du dir als Mensch vorstellst, du würdest von einem Baby, welches gerade mal Krabbeln gelernt hat, verlangen, dass es sich sozial und höflich verhält, wird dir schnell klar werden, dass diese Anforderungen nicht viel Sinn machen. Ein Baby bzw. in weiterer Folge Kleinkind tollt herum, reißt vermutlich an den Haaren, bewirft dich eventuell mit seinen Spielsachen, klettert unvorsichtig an dir oder der Einrichtung hoch, etc. All diese Beispiele kann man ähnlich auch auf die Hundewelt gesehen anwenden: Die ersten 14 Lebenswochen des Hundes ist dieser als Welpe anzusehen. In dieser Zeit kannst du beobachten, wie tollpatschig und liebenswert sich die kleinen Chaoten verhalten und genauso wie du dir nun den süßen kleinen Schlawiner vorstellst, wie er beim Spielen wild wird, ausrutscht und überschlagsartig über die Hundeeltern stolpert und springt, so wirkt dies auch auf „normale“ und gut erzogene Hunde. Dass der Welpe noch kein perfektes Benehmen an den Tag legen kann, ist auch für die großen Hunde verständlich.

Doch wie so vieles bei der Hundehaltung ist auch das Thema Welpenschutz eine Sache der Erziehung! Während man grundsätzlich (wenn auch mit Abstrichen) davon ausgehen kann, dass die ausgewachsenen Hunde dem Kleinen vieles durchgehen lassen, sollte man sich dennoch nicht darauf verlassen. Vorsicht ist geboten, denn die Erziehung beginnt in den jüngsten Jahren. Dein Welpe sollte früh lernen, seine Position im Rudel anzuerkennen, um auch trotz Welpenschutz nicht negativ aufzufallen. Auch ein Welpe (selbst dann wenn er noch so niedlich ist) muss auf mögliches Fehlverhalten hingewiesen werden und Grenzen akzeptieren lernen. Je früher er das lernt, umso besser. Disziplin und Benimmregeln sollten schon in der Welpenschule an der Tagesordnung sein, denn bei einem gut sozialisierten und hörigen Hund wirst du auch nicht in die Verlegenheit kommen, dich blind auf den „Welpenschutz“ verlassen zu müssen.

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