Es gibt viele Hunde, die alleine brav und umgänglich sind. Wenn sie aber beispielsweise beim Spazierengehen an der Leine anderen Hunden begegnen, fangen sie an zu bellen und wild an der Leine zu ziehen. Die Frage ist, woher dieses aggressive Verhalten kommt und was man als Hundebesitzer machen kann, um es dem Hund abzugewöhnen.

Eine Ursache – die Leinenaggression

Nur die wenigsten Hunde sind wirklich von Natur aus aggressiv. Die Reaktion auf andere Hunde ist in der Regel eine Übersprunghandlung, die aus den Lebensumständen beziehungsweise der Erziehung des Hundes resultiert. In den meisten Fällen handelt es sich um eine sogenannte „Leinenaggression“. Diese hat einen leicht zu erklärenden Hintergrund: der Hund ist „aggressiv“ gegen die Leine, an der er geführt wird.

Wenn ein Hund zum Beispiel in seiner Jugend völlig frei herumlaufen konnte und quasi keinerlei Grenzen bei seinen Erkundungstouren aufgezeigt bekommen hat, dann ist das Laufen an der Leine für ihn eine ungeheure Umstellung. Der Hund kann nicht begreifen, warum er auf einmal nur noch in der Nähe seines Herrchens oder Frauchens laufen soll und nicht wie früher einfach dorthin laufen kann, wo er gerade hin möchte.

Trifft der Hund auf andere Hunde, während er an der Leine geführt wird, dann will er auch meistens zu ihnen und die Leine schränkt ihn so ein, dass er dagegen buchstäblich protestiert – was für den Hundebesitzer dann aber so aussieht, als würde der Hund sich dem anderen Hund gegenüber aggressiv zeigen.

Soziale Hürden

Eine andere Ursache dafür, dass ein Hund sich anderen Hunden gegenüber abwehrend verhält, könnte eine Erziehung ohne Hunde sein. Hunde sind Rudeltiere und brauchen für ihre Entwicklung von Klein an den Kontakt zu anderen Hunden. Mit Artgenossen können die jungen Hunde spielen, jagen, ihre Umgebung kennenlernen und letztendlich auch lernen, wie man sich anderen, fremden Hunden gegenüber verhält.

Wenn ein Hund dagegen komplett alleine gehalten wird und er den Kontakt zu anderen Hunden erst spät erfährt, dann ist jeder fremde Hund für ihn ein unbekannter Gegner. Er weiß nicht, wie er sich verhalten soll, darum geht er dazu über, den anderen Hund zu verbellen oder auch auf ihn anzusetzen und will dadurch bewirken, dass der Fremde schlicht verschwindet – auch weil er sich bedroht und eingeschüchtert fühlt.

Maccho-Hunde

Großser Hund steht kleinem Hund gegenüber

Großser Hund steht kleinem Hund gegenüber

Bei manchen Hunden ist es wie bei einigen Menschen: sie haben einfach ein sehr überzogenes Ego und wollen sich allen anderen Hunden gegenüber als Chef aufspielen. Wenn sie andere Hunde sehen, möchten sie sofort vom ersten Moment an eine klare Machtstruktur herstellen und zeigen, dass sie das Sagen haben. Ein Macco-Gehabe gibt es aber nicht nur bei Rüden.

Auch Hündinnen können ein übersteigertes Ego besitzen und sich von anderen Hündinnen bedroht fühlen, weshalb sie dann durch Bellen, Zähne fletschen und ähnliche Verhaltensweise direkt klare Verhältnisse schaffen wollen, auch wenn das in der Regel nicht notwendig wäre.

Den Hunden das Verhalten abgewöhnen

Rüppelein gegen andere Hunde lassen sich mit viel Zeit und Training genauso abgewöhnen wie der Hund sie ja auch irgendwann in seinem Leben gelernt haben muss. Eine recht einfache Variante besteht darin, den Hund vor oder während eines Spaziergangs richtig auszupowern. Indem du zum Beispiel mit ihm Aportierspiele ausführst und einen Stock oder ein Spielzeug immer wieder wegwirfst und den Hund auffordert es zu bringen, lenkst du die Energien des Hundes in andere Bahnen.

Wiederholst du das Spiel oft genug, wird überschüssige Energie abgebaut, was dazu führt, dass der Hund sich hinterher deutlich ruhiger und auch etwas erschöpfter an der Leine verhält. Wenn er dann einen anderen Hund bemerkt, wird er ihn vielleicht noch taxieren, also sich hinlegen und ihn beobachten, aber ihm fehlt schlicht die Kraft und Ausdauer, um sein übliches Verbellen oder Zerren an der Leine aufzuführen.

Eine andere Methode zum Abgewöhnen der Rüppelein besteht darin, die Aufmerksamkeit des Hundes abzulenken. Das funktioniert auch sehr gut durch Spiele. Wenn du beispielsweise ein Spielzeug versteckst und der Hund es suchen und bringen muss, dann wird der Hund sich auf diese Aufgabe konzentrieren statt auf vorbeilaufende Hunde. Das Ganze wird für den Hund noch reizvoller, wenn er lernt, dass er für das erfolgreiche Bringen eine Belohnung wie ein Leckerli bekommt. Du kannst den Hund auch mit einem sogenannten Klicker-Training konditionieren, bei dem du beim Spaziergehen einen kleinen Klicker mitnimmst und diesen drückt, wenn man merkt, dass der Hund sich anderen Hunden gegenüber aufspielen möchte. Eine weitere Methode wäre außerdem das Mantrailing.

Egal, welche Methode du zum Trainieren wählst, es empfiehlt sich, die Übungen in der ersten Zeit in einer Umgebung zu machen, in der der Hund möglichst nicht abgelenkt wird. Der Hund soll sich erst an das Spiel beziehungsweise an die Konditionierung gewöhnen und lernen, dass er sich um den Stock, das Spielzeug oder um den Klicker kümmern muss, wenn du es willst. Erst, wenn der Hund die Übung souverän erledigt, kannst du wieder einen normalen Spaziergang mit dem Hund ausprobieren und dabei dann schauen, ob er das Trainierte umsetzen kann und sich anderen Hunden gegenüber friedlich verhält.

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